Runen
eine magisch - bildliche Tradition

 

Bereits im Wortstamm ist die mystische Bedeutung und Kraft der Runen zu erkennen:


Der tatsächliche Ursprung der Runen liegt wissenschaftlich noch immer im Dunkeln. Es gibt verschiedene Theorien, die jedoch alle nicht sehr überzeugend sind. Eine davon besagt, daß im zweiten Jahrhundert Zimbern und Teutonen die italienische Halbinsel eroberten, dort mit dem nordetruskischen und lateinischen Alphabet in Berührung kamen, die wichtige Bedeutung der Schrift erkannten und nach diesem Vorbild die Runen schufen. Diese Theorie läßt unsere Vorfahren als einfalls- und kulturlose Barbaren erscheinen, was sich jedoch im Hinblick auf ihre Kunst als unglaubwürdig herausstellt.
In unserem Kulturgebiet ist es schwierig herauszufinden, woher die Runen kommen und welchen Einflüssen sie in all den Epochen unterworfen waren. In Deutschland fand eine Hochzeit zwischen dem Kulturgut des Südens und des Nordens (Kelten und Germanen) statt, wovon die Runen und ihre Bedeutung sicherlich beeinflußt wurden.

Die heute gebräuchlichen Überlieferungen und Aussagen der Runen basieren im wesentlichen auf den Texten der Edda. Da die Erzählungen der Edda erst in nachheidnischer Zeit durch christliche Geschichtsschreiber und auch nur in Fragmenten niedergeschrieben wurden, ist anzunehmen, dass viel ursprüngliches Wissen, welches zuvor mündlich überliefert wurde, verändert oder gänzlich weggelassen wurde.


Runen wurden zwar auch als Schriftzeichen genutzt, doch handelt es sich nachweislich um Zeichen, die aus einer magisch-bildlichen Tradition heraus entstanden und nicht aus einer sprachlichen.

Wir finden in der Frühzeit überall in Europa Felszeichnungen, mit denen man versuchte, wichtige Ereignisse symbolisch festzuhalten. Runenzeichen wurden bei Ausgrabungen z.B. auf Schwertern, Schmuck und Tongefäße gefunden. Einige der Darstellungen kann man in die Bronzezeit zurück datieren - runenähnliche Zeichen kann man bereits einer frühsteinzeitlichen Entstehung zuordnen. Der genaue Entstehungszeitraum und Ort ist bisher jedoch noch ungeklärt.


Von dem Einfluß im normale (alltäglichen) Leben und der natürliche Verbundenheit damals lebender Menschen mit den Runen zeugen heute noch u.a. alte Fachwerkhäusern, in deren Aufbau man Runenformen findet (zum Schutz und Segen der damaligen Bewohner), etc.
Auch in unserer modernen Zeit sind noch Runenzeichen zu finden: z.B. das Symbol der amerikanischen Notarztwagen (Hagalaz), das Andreaskreuz (Gebo) vor Bahnübergängen und die Schutzzeichen, in Form der Eiwaz-Rune, gegen Feuer und unerwünschten Besuch aus der Unterwelt an vielen Häusern und Ställen.
Auch die Kirche hat sich seinerzeit der Runenkraft bedient, indem sie aus Wunjo und Gebo eine Binderune schuf – heute bekannt als Zeichen des PAX CHRISTI.

 

Runen-Alphabet   (Futhark)
Futhark bezeichnet allgemein ein Runenalphabet. Der Name entspricht den Anfangsklangwerten der ersten sechs Runenzeichen (Fehu, Uruz, Thurisaz, Anzus, Raido, Kano), die übrigens als einzige in jedem Runenalphabet gleich sind, am Anfang stehen und dort gleich angeordnet sind.

Aus dem Älteren Futhark, das aus 24 Runen besteht haben sich zwei bedeutendere Varianten entwickelt:


Die 24 Zeichen des Ältere Futhark werden in drei Gruppen zu acht Runen aufgeteilt, denn drei und acht hatten als Zahlenwert magische Bedeutung.
Die einzelnen Gruppen sind als Aett oder Aettir geläufig und werden jeweils einer Gottheit zugeordnet. So gelten die ersten acht (in welchen auch die ersten sechs, also Futhark sind) als Freyrs Acht, die zweiten werden Hagals Acht und die dritten Tyrs Acht genannt.

Experten sind sich noch nicht ganz einig darüber, ob die drei Aett
Asgard - die Götterwelt,
Midgard - die Welt der Menschen und
Utgard - die Urwelt
repräsentieren, oder einen jahreszeitlichen Zyklus wiedergeben.

 

Runen als Divinationssystem
Die Runen als divinatorisches System zu Rate zu ziehen geht wahrscheinlich auf alte Überlieferungen und Bräuche des "Loseziehens" zurück, die Ihre Anfänge bei den Priestern und Runenmeistern der Vorzeit haben.
Man benutzte damals Runen nicht nur zur "Zukunftsschau", sondern z.B. auch, um Recht zu sprechen oder magische Zauber zu wirken.

Wer die Runen und ihre Kraft verstehen will, muß das "Schwarz / Weiß-Denken" hinter sich lassen. Für viele Wirkungen gibt es keine brauchbaren Worte, da Runen auf drei Ebenen aktiv sind: Konstruktiv (positiv), Neutral und Destruktiv (negativ). Positiv und negativ sind hierbei keine Wertungen, sondern Ausformungen der neutralen Energieform, welche in eine der beiden Richtungen verstärkt wurde. Jede der Runen läßt sich in allen diesen drei Ebenen anwenden, wobei es meistens auf die Stellung der Rune ankommt. Quer über den Daumen gepeilt, könnte man sagen, daß eine aufrechte Rune positiv und eine umgekehrte negativ zu werten ist, doch dem ist nicht immer so. Hier heißt es für den Runen-Neuling: Ausprobieren und selbst erspüren. Patentrezepte gibt es bei den Runen nicht. Weiterhin liefern Laut und Zahl wichtige Hintergrundinformationen und die jeweilige Stellung der Rune im gesamten Futhark, sowie in den drei Aettir. Die Aettir sind jeweils 8 Runen, folglich gibt es deren drei: Freyrs-Aett, auch Aett der Bauern genannt, wirkt im Feinstofflichen, schöpferischen Bereich der Welt, auf ihm baut alles weitere, was da überAll ist, auf; Hels-Aett, auch Aett der Zauberer genannt, wirkt in der Zwischenwelt und läßt sich am schwierigsten mit dem Verstand erfassen, da sich alles im sogenannten unsichtbaren Bereich abspielt und Tyrs-Aett, daß Aett der Krieger, welches in der Menschenwelt zum Wirken kommt. (Textpassage entnommen von: Igor Warneck)

 

Mißbrauch der Runen
Das Armanen-Futhark mit seinen 18 Runen ist eine künstliche Erfindung des Guido von List. Da der um 1920 lebende List sich unbedingt das Runenlied Odins mit seinen 18 Strophen erklären wollte, schuf er - urplötzlich kurzzeitig erblindet und dabei "in einer Vision empfangen" - ein entfremdetes Futhark und begründete darauf seine esoterischen Anschauungen.

Diese "neue" (Be-)Deutung der Runen wurden dann zur Zeit des Nationalsozialismus von Hitler und seinen Gefolgsleuten wiederum für deren Zwecke manipuliert und benutzt (mißbraucht ). Das wohl bekannteste Beispiel hierfür dürfte die als "SS-Zeichen" bekannte Rune "Sowelu" (s) sein, deren ursprüngliche Bedeutung die Energie der Sonne, Ganzheit, Lebenskraft und Selbsterkenntnis ist, was aber von den Nationalsozialisten als "siegreicher Geist ausgelegt wurde.

Wie schließen dieses grausame Kapitel unserer Zeitgeschichte an dieser Stelle ab, da der Mißbrauch der Runen in unseren Augen bereits genug Leid gebracht hat und keiner weiteren Erörterungen mehr bedarf. 

 

 

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